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Neuigkeiten aus der Werkstatt, von Veranstaltungen und zu Veröffentlichungen

 

10. 7. 2024

Erstes Zusammentreffen des Ausschusses zur Expertenempfehlung VDI-EE 5900 Blatt 2.1 „Sachverständige für Kraftfahrwesen und Straßenverkehr im VDI-Haus Düsseldorf

Im VDI-Haus fand am 10.07.2024 die konstituierende Sitzung des neuen Ausschusses zur Expertenempfehlung VDI-EE 5900 Blatt 2.1 „Sachverständige für Kraftfahrwesen und Straßenverkehr; Empfehlungen für die Tätigkeit des Sachverständigen für klassische Fahrzeuge“ statt. Die Teilnehmenden wählten Dr. Gundula Tutt zur Vorsitzenden und als ihren Stellvertreter Dipl.-Ing. Frank Oesterle.

Bild: VDI

Die Anwendung der Anforderungen an den Schaden- und Bewertungssachverständigen reicht für diesen Bereich nicht aus, es sind vielfältige Kompetenzen erforderlich, die in einem dafür zu schaffenden Wissensumfeld definiert werden müssen. Vor diesem Hintergrund erarbeiten Fachleute aus verschiedenen Bereichen der Oldtimerwelt, wie bereits tätige Sachverständige, Historiker, Restauratoren, Marktanalytiker, Versicherungsfachleute, Juristen, Interessenverbände sowie Forschung und Lehre eine Empfehlung für Sachverständige.

Ein Gutachten für ein klassisches Fahrzeug kann die Bewertung, die Überprüfung der Originalität, die Übereinstimmung mit der H-Zulassung, den Weg oder das Ergebnis einer Restaurierung, die Behebung eines Schadens, eine Kaufberatung oder auch die Untersuchung einzelner Fahrzeugteile auf das Alter der Materialien umfassen. Viele Oldtimer-Sachverständige bearbeiten aufgrund der Vielfalt der Themen nur Teilbereiche des Wissensgebietes. Die Erstellung und der Inhalt dieser Gutachten unterliegen zudem bislang keinem Standard. Ziel dieser Expertenempfehlung ist eine grundsätzliche Definition der Mindestanforderungen an Gutachten für klassische Fahrzeuge. Darin sollen Inhaltsempfehlungen für folgende Punkte formuliert werden:

 

•    Exakte Identifikation des Fahrzeugs
•    Zustandsdefinition
•    Aussagen zum Originalitätsgrad, Nachrüstungen identifizieren
•    Gewerkeumfassende Aussagen über technischen Zustand 
•    Historiennachweise, -auflistung
•    Korrekte Anwendung von Fachbegriffen

 

Der fachliche Ansprechpartner im VDI ist:
Dipl.-Ing. Christof Kerkhoff
VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik
E-Mail: kerkhoff@vdi.de

 


22. Juni 2024:

Nach 100 Jahren feiert der Mercedes 2-Liter-Targa-Florio-Rennwagen von 1924 sein originalgetreues Comeback

June 22, 2024:
After 100 years, the Mercedes 2-liter Targa Florio race car from 1924 celebrates an authentic comeback

Das Fahrzeug, das bei der Targa Florio1924 von Christian Lautenschlager gesteuert worden ist, ging seitdem durch verschiedene Hände. Für das Jubiläum des Ereignisses, bei dem Mercedes-Fahrer einen dreifachen Klassensieg eingefahren haben, wurde der bis dahin im Mercedes-Benz Museum ausgestellte Wagen nun unter Leitung von Mercedes-Benz Heritage originalgetreu restauriert. Dies umfasste die vorsichtige Instandsetzung der technischen Fahrzeugkomponenten, aber auch Eingriffe früherer Besitzer, durch die die Karosserieform und die Oberflächen stark verändert worden waren, konnten dabei wieder korrigiert werden.

The vehicle, which was driven by Christian Lautenschlager at the 1924 Targa Florio, has passed through various hands since then. For the anniversary of the event, in which Mercedes drivers achieved a triple class victory, the car has now been faithfully restored under the direction of Mercedes-Benz Heritage. This included the careful restoration of the technical components, as well as correcting interventions by previous owners that had significantly altered the body shape and surfaces.

Foto: Archiv Mercedes-Benz Heritage

Bereits im Vorfeld der Arbeiten erfolgte eine umfangreiche Untersuchung und naturwissenschaftliche Analyse der Lackschichten auf der Karosserie. Ziel war es, Reste der ursprünglichen Lackierung zu identifizieren und den originalen Farbton, sowie das verwendete Lackiersystem zu bestimmen. Wie von Alfred Neubauer überliefert, starteten alle 1924 für Mercedes am  Targa Florio teilnehmenden Wagen in "Mercedes-Rot", um mögliche Behinderungen durch italienische Fans zu vermeiden.

Prior to the work, an extensive microscopic examination and scientific analysis of the paint layers on the bodywork was carried out. The aim was to identify traces of the original paintwork and to determine the original color and the paint system used. As handed down by Alfred Neubauer, all cars participating in the 1924 Targa Florio for Mercedes started in "Mercedes red" in order to avoid possible obstruction by Italian fans.

Die mikroskopische Untersuchung förderte am den Hinterachsen und am Tank sehr gut erhaltene Befunde der ersten, ölbasierten Lackierung zutage. Dieses Materialsystem war 1924, kurz vor der Einführung von Nitrozelluloselacken, typisch für qualitätvolle farbige Fahrzeugbeschichtungen.

Im mikroskopischen Querschliff sind die zugehörigen Grundierungen und die darüber liegende  dunkelroter Ölfarbe mit Kutschenlacküberzug  gut zu erkennen (im Foto markiert als Schichten 1-4). Diese wurden später mit mehreren weiteren Beschichtungen überdeckt.

Microscopic examination of the rear axles and the tank revealed very well-preserved evidence of the first oil-based paintwork. This material system was typical for colored, high-quality vehicle coatings in 1924, - shortly before the introduction of nitrocellulose lacquers.
The microscopic cross-section clearly shows the associated primers and the dark red oil paint with a clear coach varnish on top (marked as layers 1-4 in the photo). These were later covered with several further coatings.

Fotos: Mercedes-Benz Heritage und G. Tutt

Ein stabiler und flächiger Bereich der ersten Oberfläche konnte an der rechten Seite des Tanks freigelegt und bei der Restaurierung als Referenzmuster konserviert werden. Zusammen mit weiteren gesicherten Fagmenten an der rechten Hinterachse und rund um die Tanköffnung wurde daran der ursprüngliche, dunkelrote Farbton abgemustert.  Mit den so gewonnenen Informationen konnten ich das Grundiermaterial, den farbige  Öllack sowie einen abschliessenden Kutschenlack-Firnis im historisch korrekten Materalsystem nachstellen. 

Diese neu gemischten Materialien wurden von meinem Kollegen Volker Lück in geduldiger Pinselarbeit auf die restaurierte Originalkarosserie aufgetragen. Durch seine langjährige Arbeit als Kunsttischler und Restaurator bringt er viel Erfahrung im Umgang mit historischen Lackiermaterialien und der Rekonstruktion von authentischen Oberflächen mit, so dass wir die notwendigen Arbeitsschritte sehr gut gemeinsam ausarbeiten konnten.

An extensive and stable area of the first surface could be uncovered on the right-hand side of the tank and preserved as a reference sample during the restoration. Alongside with other fragments saved on the right rear axle and around the tank opening, the original dark red color could be sampled from these finds.  With the information gained, I was able to recreate the oil-based primer material, the colored oil paint and the final coach varnish in the historically correct material system.
These newly mixed materials were applied to the restored original body in  patient brush work  by my colleague Volker Lück. Thanks to his many years as a cabinetmaker and restorer, he has lots of experience  with historic paint materials and the reconstruction of authentic surfaces, so that we could work out all the necessary steps in close cooperation.

Fotos: Mercedes-Benz Heritage

Als Referenz für die Struktur und den Glanzgrad der Oberflächen haben wir uns an hoch aufgelösten Glasplatten-Fotos der Targa-Floro Wagen von 1924 aus dem Archiv von Mercedes Heritage orientiert. Die mikroskopischen Querschliffe belegen ebenfalls, dass die rote Farbschicht mit einem abschlieseenden, glänzenden Kutschenlack-Firnis überzogen worden waren.

As a reference for the structure and gloss level of the surfaces, we used high-resolution glass plate photos of the 1924 Targa-Floro cars from the Mercedes Heritage archive. The microscopic cross-sections also show that the red paint layer was covered with a final, glossy coach varnish.

Fotos: Archiv Mercedes-Benz Heritage

Auch die Karosserie-Innenseiten und das Chassis wurde nach Befund neu beschichtet, sowie zuletzt die Startnummern von Hand mit Leim-Kreide-Farbe aufgetragen.

Ein von Mercedes Heritage zusammengesteller Film und die entsprechende Online-Publikation geben weitere Details zum Projekt und zur Geschichte des Fahrzeuges:

The inside of the body and the chassis were also recoated according to the findings, and finally the starting numbers were applied by hand with a chalk paint.
A film compiled by Mercedes Heritage and the corresponding online publication provide further details on the project and the history of the vehicle:

Hand in Hand mit den anderen beteiligten Gewerken wurde die authentische Neulackierung der Karosserie abgeschlossen, so dass der Wagen beim Solitude Revival 2024 wieder in Fahrt erlebt werden konnte:

Hand in hand with the other trades involved, the authentic repainting of the bodywork was completed so that the car could be experienced on the track again at the Solitude Revival 2024:

Fotos: Volker Lück

Einsätze wie dieser tragen dazu bei, dass die rekonstruierten Oberflächen mit der Zeit auch wieder eine ehrliche und für historische Ölmaterialien typische Patina entwickeln. Erfolgreiche Fahrt für mindestens noch einmal 100 Jahre!

With time, running the car like this will give the reconstructed surfaces an honest patina, typical for oil-based car paints. May it have a successful journey for at least another 100 years!


May 6, 2024

Welcome to the "Active Matter Lab" at the REVS Institute in Naples/Florida

During my recent visit to the REVS Institute, I had the opportunity to be part of the "Active Matter Lab" in the museum galleries. There, specialists from the REVS workshop are reassembling a unique 1967 Alfa Romeo Sprint GTA. The project aims on carefully returning it to working condition without losing its unique unrestored state. The "Lab" is located on the mezzanine floor and publicly accessible during the museum's opening hours. It allows visitors to take a look into the workshop practice, which usually happens behind closed doors.

My part was to demonstrate conservation and restoration methods to stabilize and supplement the historic fabric. In addition to the partly damaged paint surfaces of the body, this included the interior, fiberglass body parts and also the original headliner, which had been ripped in various spots. I was able to reline and carefully mend it, so that it could be remounted to the car.

Of course, the visitors had a lot of questions, which I was happy to answer.  Above all, the "Active Matter Lab", wants to familiarize enthusiasts with the research-based and sensitive treatments used in the collection for the preservation of vehicles in autentic historic condition. I will gladly contribute again to this unique approach at my next visit!

Additional details and filmed images of the work on the Alfa, plus the latest updates can be found on the REVS Facebook page.